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Prüfungswissen 22. Juli 2026 · 6 Min. Lesezeit

Eingewöhnung nach dem Berliner Modell: Schritt für Schritt

Grundphase, erster Trennungsversuch, Stabilisierung, Schlussphase: das Berliner Eingewöhnungsmodell Schritt für Schritt, mit Prüfungsfragen.

Von Tom Frischmuth Stand: Juli 2026, wird jährlich geprüft
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Das Wichtigste in 30 Sekunden

Das Berliner Modell gestaltet die Eingewöhnung behutsam, bindungsorientiert und elternbegleitet.

Es verläuft in Phasen: Grundphase ohne Trennung, erster Trennungsversuch, Stabilisierung, Schlussphase.

Der erste Trennungsversuch kommt erst, wenn das Kind eine Beziehung zur Bezugserzieherin anbahnt.

Das Tempo bestimmt das Kind: Das Modell rechnet mit etwa einer bis drei Wochen, die Praxis oft mit mehr.

Gelungen ist sie, wenn sich das Kind von der Fachkraft trösten lässt und wieder spielt.

Erster Krippentag für Emil, 14 Monate. Seine Mutter sitzt auf einem viel zu kleinen Stuhl in der Ecke des Gruppenraums und tut: nichts. Emil klemmt erst auf ihrem Schoß, dann wagt er sich zwei Meter vor, zur Erzieherin mit den Bausteinen. Alle paar Minuten schaut er zurück. Genau so soll es sein.

Warum braucht ein Kind überhaupt eine Eingewöhnung?

Der Kita-Start ist für ein Kleinkind ein gewaltiger Übergang, in der Fachsprache eine Transition: neue Räume, neue Menschen, und die wichtigste Person der Welt geht weg. Die Theorie der Bindung erklärt, warum das ohne Begleitung überfordert. Kleine Kinder erkunden die Welt nur von einer sicheren Basis aus, und die ist am Anfang nun einmal Mama oder Papa.

Genau hier setzt das Berliner Eingewöhnungsmodell an. Entwickelt haben es in den 1980er Jahren Hans-Joachim Laewen, Beate Andres und Éva Hédervári-Heller am Berliner infans-Institut. Die Grundlage lieferte die Bindungsforschung von Bowlby und Ainsworth. Die Idee: Ein Elternteil begleitet das Kind so lange, bis die Bezugserzieherin selbst zur sicheren Basis geworden ist. Erst dann kann sich der vertraute Rückhalt zurückziehen.

Wie läuft das Berliner Modell Schritt für Schritt ab?

Grundphase (etwa drei Tage). Kind und Elternteil kommen gemeinsam für ein bis zwei Stunden. Der Elternteil ist der sichere Hafen in der Ecke: anwesend, verlässlich, aber passiv. Die Bezugserzieherin nähert sich behutsam über Spielangebote. Trennungen finden noch keine statt.

Erster Trennungsversuch. Frühestens, wenn das Kind beginnt, eine Beziehung zur Erzieherin aufzubauen, oft um den vierten Tag. Der Elternteil verabschiedet sich kurz und bleibt in der Nähe. Jetzt zeigt sich, was das Kind braucht: Lässt es sich rasch beruhigen, kann die Eingewöhnung kürzer ausfallen. Bleibt es untröstlich, braucht es mehr gemeinsame Zeit, dann wird der nächste Versuch verschoben.

Stabilisierungsphase. Die Trennungen werden Schritt für Schritt länger. Die Erzieherin übernimmt zunehmend Füttern, Wickeln, Trösten, die bindungsrelevanten Momente des Tages.

Schlussphase. Der Elternteil ist nicht mehr in der Kita, aber jederzeit erreichbar. Das Kind hat in der Erzieherin eine neue sichere Basis gefunden.

Woran erkennst du, dass die Eingewöhnung gelungen ist?

Nicht daran, dass das Kind beim Abschied nie weint. Trennungsschmerz ist normal und sogar ein Zeichen gesunder Bindung. Entscheidend ist, was danach passiert: Lässt sich das Kind von der Bezugserzieherin trösten? Findet es zurück ins Spiel, wird es wieder neugierig? Dann ist die Fachkraft zur sicheren Basis geworden, und genau das war das Ziel. Das ist dieselbe Logik wie das Wiedersehens-Kriterium bei den Bindungstypen: Nähe tanken, weiterspielen. Ein Klausur-Klassiker, weil er die Theorie direkt in die Praxis übersetzt.

Was ist deine Rolle als Fachkraft?

Deine wichtigste Aufgabe ist Feinfühligkeit: die Signale des Kindes wahrnehmen, richtig deuten und prompt, angemessen reagieren. Dräng dich nicht auf, sondern lade ein, über Spiel, über Blickkontakt, über verlässliche Wiederholung. Nimm auch die Eltern mit: Erkläre ihnen ihre Rolle als ruhiger Hafen, besprich jeden Schritt vorher, und verabredet einen bewussten Abschied statt heimlichen Verschwindens. Eine gelungene Eingewöhnung ist immer auch die Eingewöhnung der Eltern.

Zum Vergleich lohnt später der Blick auf das Münchener Eingewöhnungsmodell: Es denkt vom Übergang als gemeinsamem Prozess her und bezieht die Kindergruppe stärker ein. Für die Prüfung gilt: Wer das Berliner Modell sicher kann, hat den Maßstab, an dem alle anderen Modelle gemessen werden.

In der ErzieHero-App übst du das Berliner Modell in einer eigenen Lektion, das Münchener Modell direkt daneben zum Vergleichen.

Genauer hingeschaut

Gut belegt ist die Grundlage des Modells: Die Bindungsforschung zeigt, dass Kleinkinder in Belastungssituationen eine verfügbare Bindungsperson brauchen und neue Beziehungen Zeit benötigen. Elternbegleitete Eingewöhnung ist heute fachlicher Konsens und in vielen Bildungsplänen verankert.

Diskutiert wird die Umsetzung. Kritisiert wird erstens ein schematischer Gebrauch. Wer das Modell als starre Checkliste abarbeitet (Trennung am Tag vier, fertig am Tag sechs), widerspricht seinem eigenen Kern. Die Phasen sind als Orientierung gedacht, nicht als Fahrplan. Zweitens setzt das Modell stark auf eine einzelne Bezugserzieherin; fällt sie aus, wackelt die Konstruktion. Das Münchener Modell antwortet darauf mit einem stärker partizipativen Ansatz, der die ganze Gruppe einbezieht.

Zur Studienlage: Gut belegt ist, dass begleitete Eingewöhnung wirkt. Eingewöhnte Kinder sind seltener krank und zeigen stabilere Bindungen als Kinder ohne Eingewöhnung. Welches Modell im direkten Vergleich besser abschneidet, ist dagegen kaum empirisch untersucht.

Häufige Fragen

Wie lange dauert die Eingewöhnung nach dem Berliner Modell?

Das Modell nennt als Richtwert etwa eine bis drei Wochen: kürzer für Kinder, die Trennungen leichter verkraften, länger bei starkem Trennungsschmerz. In der Praxis planen viele Kitas großzügiger, gerade bei sehr jungen Kindern; Eltern wird oft geraten, deutlich mehr Zeit einzuplanen. Verlässlich ist nur der Grundsatz: Das Kind bestimmt das Tempo.

Was, wenn das Kind beim Abschied weint?

Weinen allein ist kein Alarmzeichen, sondern altersgerechter Ausdruck von Trennungsschmerz. Entscheidend ist, ob sich das Kind von der Bezugserzieherin trösten lässt und danach wieder ins Spiel findet.

Dürfen Eltern sich heimlich davonschleichen, um Tränen zu vermeiden?

Nein. Ein kurzer, bewusster Abschied ist verlässlicher: Das Kind lernt, dass Gehen angekündigt wird und Wiederkommen sicher ist. Heimliches Verschwinden untergräbt genau das Vertrauen, das die Eingewöhnung aufbauen soll.

So fragt es die Prüfung

Erst selbst beantworten, dann Lösung aufklappen.

Nenne die Phasen des Berliner Eingewöhnungsmodells in der richtigen Reihenfolge. Lösung

Darauf kommt es an: Grundphase (gemeinsames Ankommen ohne Trennung), erster Trennungsversuch, Stabilisierungsphase (Trennungen ausdehnen, Erzieherin übernimmt Pflege), Schlussphase (Eltern nicht mehr anwesend, aber erreichbar). Zusatzpunkt: Das Tempo richtet sich nach dem Kind.

Erläutere, warum der erste Trennungsversuch nicht nach einem festen Zeitplan stattfinden sollte. Lösung

Darauf kommt es an: Der Zeitpunkt richtet sich nach der Beziehung, nicht nach dem Kalender. Erst wenn das Kind die Bezugserzieherin ein Stück weit als sichere Basis annimmt, ist eine kurze Trennung sinnvoll. Ein starres Zeitschema würde dem einzelnen Kind nicht gerecht; die Reaktion auf die Trennung entscheidet über den weiteren Verlauf.

Die zweijährige Mila weint seit Tagen kurz beim Abschied. Sie lässt sich von ihrer Bezugserzieherin auf den Arm nehmen und spielt wenig später konzentriert weiter. Ihre Mutter fragt besorgt, ob die Eingewöhnung gescheitert ist. Beurteile die Situation fachlich. Lösung

Darauf kommt es an: Die Eingewöhnung ist gelungen, nicht gescheitert. Trennungsschmerz ist normal; entscheidend ist, dass sich Mila trösten lässt und wieder exploriert. Genau daran erkennt das Berliner Modell die neue sichere Basis. Für das Elterngespräch: Beobachtung beschreiben, bindungstheoretisch einordnen, Sicherheit vermitteln.

Quellen und zum Weiterlesen

  • Laewen, Hans-Joachim, Andres, Beate und Hédervári-Heller, Éva (2011): Die ersten Tage. Ein Modell zur Eingewöhnung in Krippe und Tagespflege. Cornelsen Scriptor, Berlin.
  • Laewen, Hans-Joachim, Andres, Beate und Hédervári-Heller, Éva (2011): Ohne Eltern geht es nicht. Die Eingewöhnung von Kindern in Krippen und Tagespflegestellen. Cornelsen Scriptor, Berlin.
  • Braukhane, Katja und Knobeloch, Janina (2011): Das Berliner Eingewöhnungsmodell. Theoretische Grundlagen und praktische Umsetzung. KiTa-Fachtexte, frei zugänglich unter kita-fachtexte.de.
  • Niedersächsisches Institut für frühkindliche Bildung und Entwicklung (nifbe): Eingewöhnung. Modelle und Rahmenbedingungen, frei zugänglich unter nifbe.de.

Konsens ist die bindungsorientierte, elternbegleitete Eingewöhnung mit dem Kind als Taktgeber. Diskutiert werden der schematische Gebrauch des Phasenplans und die starke Rolle einer einzelnen Bezugsperson. Ein direkter empirischer Vergleich der Modelle steht noch aus.

So zitierst du diesen Beitrag

Frischmuth, T. (2026): Eingewöhnung nach dem Berliner Modell: Schritt für Schritt. In: ErzieHero-Magazin. Online unter: https://erziehero.de/magazin/berliner-modell-eingewoehnung (Zugriff am TT.MM.JJJJ).

Stand: 22.07.2026

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Tom

Tagsüber Kita, abends ErzieHero. Tom entwickelt die App, pflegt die Lerninhalte und schreibt hier im Magazin. Fachlich abgeglichen mit dem, was in der Ausbildung wirklich drankommt.

Stand: Juli 2026 · Beiträge werden jährlich geprüft und aktualisiert.

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Quelle: ErzieHero-Magazin · erziehero.de/magazin/berliner-modell-eingewoehnung · Stand: Juli 2026 · Für Unterrichtszwecke freigegeben. Die zugehörigen Übungen gibt es kostenlos unter erziehero.de.